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Neue Editionen aus dem Werk von Carmen Sylva erschienen im ibidem-Verlag

herausgegeben von Silvia Irina Zimmermann:

Details: www.carmen-sylva.de/literatur

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Freude über den ersten Band der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs.

Mein Dank an den ibidem-Verlag für die gute Zusammenarbeit!

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Eine kleine Auswahl auf der Seite: “Originalausgaben” 

O mică selecţie pe pagina: “Edţii princeps”

(Privatsammlung Silvia Irina Zimmermann)

originalausgaben

 

„Das zweite Mal, daß ich Onkel Max außer sich gesehen, war im Jahre 1866, als meine Mutter ihren einzigen Sohn in den Krieg schickte. Da standen ihm die dicken Tränen in den Augen: ‚Liebe Lilli, deine Mutter ist eine spartanische Mutter! Das Haus steht doch nur auf zwei Augen! Wäre ich es nur oder du, liebe Lilli, das täte ja gar nichts, aber Wilhelm! Den Einzigen! Liebe Lilli, das ist nicht möglich!‘

Es war sehr schmerzvoll, den alten Mann so unglücklich zu sehen. Uns alle und sich selbst hielt er al geeignetes Futter für Pulver und Blei, aber nicht den einzigen Stammhalter. Nun, Gott sei Dank, mein Bruder ist aus allen Kriegen gesund zurückgekehrt.

Aber es war wohl natürlich, daß der alte Mann zitterte, der selbst die furchtbaren Feldzüge mitgemacht und zwei Brüder darin verloren hatte. Er ist lange auf dem Schlachtfeld von Waterloo herumgeritten, in der Hoffnung, Napoleon zu finden und ihn gefangen zu nehmen, denn er hatte einen unglaublichen Haß auf den Bonaparte.

Das war meiner Mutter zuerst recht widerwärtig, da ihr Vater zum Rheinbund gehörte; sie war deshalb in der grenzenlosesten Bewunderung für Napoleon erzogen worden, sprach bis zu ihrem sechsten Jahre überhaupt nur französisch und konnte es Onkel Max gar nicht verzeihen, wenn er mit geballter Faust ausrief: ‚Der Bonaparte!‘ Er konnte nämlich die Mediatisierung nicht vergessen und verzeihen und sagte einmal zu mir: ‚Das kannst du begreifen, liebe Lilli, das war nicht angenehm, als man zum ersten Male den König von Preußen als Landesherrn begrüßen mußte!‘

Das konnte ich recht gut begreifen, denn ich fand es auch angenehmer, sein eigener Herr zu sein. Doch ich muss sagen, daß es auf der ganzen Welt keine angenehmere Stellung geben kann, als die der Mediatisierten, denn man ist und bleibt doch immer der Landesvater in seinem früheren Lande und hat dabei keine Verantwortung und auch keine Regierungslasten und Unannehmlichkeiten. Man hat nur die Gnaden und Wohltaten und nicht Drückendes oder Widerwärtiges. Ich kann es recht gut vergleichen, da ich auf einen Thron gekommen bin und weiß, wie unendlich angenehmer es ist, mediatisiert zu sein.“

Ausschnitt aus: Carmen Sylva, Mein Großonkel Maximilian (erschienen in: Velhagen und Klasings Monatshefte, Bielefeld, 1912/13)

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