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Archive for the ‘Buchprojekte’ Category

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Mit der Schriftstellerin Carmen Sylva (d.i. Elisabeth zu Wied, erste Königin von Rumänien, 1843-1916) beschäftige ich mich seit meiner Studienzeit. Meine Magisterarbeit schrieb ich 1996 über ihre „Pelesch-Märchen“ (“Der Zauber des fernen Königreichs. Carmen Sylvas ‘Pelesch-Märchen'”, Universität Marburg, 1996), die Doktorarbeit über das gesamte literarische Werk Die dichtende Königin Carmen Sylva. Selbstmythisierung und prodynastische Öffentlichkeitsarbeit durch Literatur, Univ. Marburg, 2001, digitale Publikation: Universitätsbibliothek Marburg, 2003; Buchausgabe im ibidem-Verlag, 2010).

2012 initiierte ich die Gründung einer Forschungsstelle Carmen Sylva im Fürstlich Wiedischen Archiv, die zusammen mit S.D. Carl Fürst zu Wied und Dr. Hans-Jürgen Krüger (Archivleiter) am 4. August 2012 – zunächst als Projekt zum Gedenken des 100. Todesjahres 2016 – ins Leben gerufen wurde. Die Herausgabe der Schriftenreihe der Forschungsstelle verdanke ich der jahreangen guten Kooperation mit dem ibidem-Verlag (Stuttgart), in dem ich mehrere Bücher über Carmen Sylva und Neuausgaben aus ihrem literarichen Werk veröffentlicht habe. Ebenso freut es mich, als Mitherausgeber der Schriftenreihe drei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates der Forschungsstelle gewonnen zu haben: Dr. Hans-Jürgen Krüger, Dr. Edda Binder-Iijima und Prof. Dr. Ralf Georg Czapla.

Seit 2010 und bis ins Gedenkjahr 2016, zum 100. Todestag von Carmen Sylva, sind über 15 Bücher in Deutsch und Rumänisch zu Carmen Sylva veröffentlicht worden, bei denen ich beigetragen habe (als Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin) und mit denen an die historische Persönlichkeit und Schriftstellerin erinnert wird:

– Bücher
– Herausgeberschaften
– Bücher in rumänischer Sprache
– Beiträge in anderen Publikationen
– Übersetzungen.

Meine aktuellen Buchprojekte, die voraussichtlich 2017 und 2018 fertiggestellt sein werden, sind:

– die zweibändige Briefausgabe des rumänischen Königspaares Elisabeth und Carol I. von Rumänien (ein Buchprojekt der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs Neuwied in Kooperation mit Arhivele Naţionale ale României, Bucuresti)

– eine Bildbiografie mit Selbstaussagen Carmen Sylvas zu ihrem Leben und dichterschen Werk.

 

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Silvia Irina Zimmermann: Kindheit und Erziehung im Schloss.
Der Altersblick in den Erinnerungen von Carmen Sylva, Marie von Ebner-Eschenbach und Lily Braun
Zum 100. Todesjahr der Schriftstellerinnen 2016

 

„Einem jungen Menschen von heute muß es schwerfallen, unsere Empfindungsweise zu begreifen. Es gibt ja kaum etwas, das sich in einer Zeit, die ich zu überdenken vermag, so verändert hätte wie die Art des Verkehrs zwischen Eltern und Kindern.“1
Marie von Ebner-Eschenbach (geb. Gräfin Dubsky, 1830-1916)
„Meine Mutter zeigte mir nach einem halben Jahrhundert ganz bewegt meine kleinen Kleidchen von damals, die sie immer aufgehoben hatte, und ich sagte ihr nicht, dass ich sie mit Schauder und Widerwillen ansah, im Gefühl der mich erwartenden Strafe für irgend ein unbewusstes Verbrechen! Die Großen finden ja immer Verbrechen, wo man an gar nichts gedacht hat, und dann stürzen die Strafen über einem herein, und man kann sich nicht einmal verteidigen, denn verteidigen wird nicht gestattet, das gilt für eine Ungezogenheit! Es ist schwer, Kind zu sein! Das habe ich immer gefunden!“2
Carmen Sylva (geb. Prinzessin Elisabeth zu Wied, verh.
Fürstin & Königin von Rumänien, 1843-1916)
„Die Erziehung ist wie eine eiserne Form, in die die weichen Kinderseelen hineingepreßt werden. Und sollte doch nur ein Stab sein, zum Halt für das junge wachsende Bäumchen. Im Leben des Kindes bedeutet das ‚Warum?‘ die Geburt des Menschen. Die Erziehung schlägt es tot, kaum daß es die Glieder regt.“3
Lily Braun (geb. Amalie von Kretschmar, 1865-1916)

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Sich an die Kindheit zu erinnern sei wie Heimweh haben, behauptet der Gedächtnisforscher Drouwe Draaisma, und offenbar liegt ein Zusammenhang zwischen dem Wunsch, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben, mit einem bestimmten Alter zusammen. In seinem Buch über das Gedächtnis im Alter, „Die Heimwehfabrik“4 zeigt Draaisma, dass Kindheitserinnerungen vor allem im Alter von etwa 70 Jahren plötzlich wieder auftauchen. Dies passiert zu einem Zeitpunkt, an dem das Gedächtnis an neuere Erlebnisse nachlässt, und dagegen die frühesten Erlebnisse, an die man sich jahrzehntelang vorher nicht erinnert hat, mit neuer Intensität zurückkommen. Dabei bewirkt dieser „Reminiszenzeffekt“, wie die Rückkehr alter Erinnerungen in der Fachsprache der Psychologie genannt wird, dass auch ungewollte Erinnerungen an die Kindheit wieder erwachen, denn auch die schmerzlichen Erfahrungen von früher kehren mit derselben Intensität zurück, so dass man den Kindheitsschmerz von ehemals emotional ein zweites Mal erlebt.5

Bei den Schriftstellerinnen Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Carmen Sylva (1843-1916) und Lily Braun (1856-1916), deren Todesjahr sich 2016 zum hundertsten Mal jährt, kann man auch von einem Reminiszenzeffekt in ihren veröffentlichten Kindheitserinnerungen sprechen. Insbesondere ist dies bei den zwei älteren festzustellen: Carmen Sylva beginnt mit 60 Jahren ihre Erinnerungen an die in Neuwied verbrachte Kindheits- und Jugendzeit zu schreiben und sie ist 65 Jahre alt beim Erscheinen ihres Bandes „Mein Penatenwinkel“; Ebner-Eschenbach ist 75 Jahre alt bei der Erstauflage ihrer „biographischen Skizzen“ „Meine Kinderjahre“6; nur die jüngere Lily Braun ist erst 43 Jahre alt, als sie ihre als Roman bezeichneten „Memoiren einer Sozialistin“7 verfasst und in dem ersten Band „Lehrjahre“ ihre Kindheit und Jugendjahre erzählt.

** *

Aus der Einleitung zum Band:

carmen-sylva-kindheitserinnerungenSilvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid (Hg.): Heimweh ist Jugendweh. Kindheits- und Jugenderinnerungen der Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva). Mit einem Vorwort I.D. Isabelle Fürstin zu Wied. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva – Fürstlich Wiedisches Archiv, Band 4], Stuttgart: ibidem-Verlag, 2016.

http://www.carmensylva-fwa.de/publ/fscsfwa04.html

Anmerkungen:

1 Marie von Ebner-Eschenbach: Meine Kinderjahre. Biographische Skizzen, Berlin: Verlag von Gebrüder Paetel, 1906, S. 42-43.

2 Carmen Sylva: Mein Penatenwinkel, Erster Band, Frankfurt am Main: Minjon, 1908, S. 191.

3 Lily Braun: Memoiren einer Sozialistin. Lehrjahre, München: Albert Langen Verlag, 1909, S. 413-414.

4 Drouwe Draaisma: Die Heimwehfabrik. Wie das Gedächtnis im Alter funktioniert. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer, Berlin: Verlag Galiani, 2011.

5 Ebd., S. 11-12.

6 Carmen Sylva: Mein Penatenwinkel, Erster Band, Frankfurt am Main: Minjon, 1908. Marie von Ebner-Eschenbach: Meine Kinderjahre. Biographische Skizzen, Berlin: Verlag von Gebrüder Paetel, 1906.

7 Lily Braun: Memoiren einer Sozialistin. Lehrjahre, München: Albert Langen Verlag, 1909.

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