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Posts Tagged ‘elisabeth’

Kaum hatte er sich von dem schweren Schlage erholt, da passierte etwas ganz Neues, Fürchterliches. Man hatte ihn auf dem Boden gefunden und an den Wandleuchter gehängt. Als nun die Sonne hereinkam, sah er an der Wand etwas, das er noch nie gesehen: Seinen eigenen Schatten!

Zuerst dachte er, es sei jemand, der ihn necken wolle. Als der sich aber immer nicht rührte, begann Hampelmann mit dem Arm zu drohen. Der Andre tat es auch. Er hob das Bein zu einem Fußtritt, der Andre tat dasselbe.

Er sprang in die Luft, um sich auf ihn zu stürzen, – genau so machte es der Andre auch. Und der Andre glich ihm so sehr an Gestalt, nur so wesenlos, so ungreifbar. Da wurde Hampelmann von großer Furcht befallen. Es ging ihm wie den meisten Leuten. Er fürchtete sich vor dem Unbekannten…

* * *

Auszug aus: Monsieur Hampelmann.

Ein Märchen von Carmen Sylva, illustriert von André Lecomte du Nouÿ

Neuausgabe in der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva:

www.carmensylva-fwa.de/publ/fscsfwa05.html

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Als Hampelmann geboren werden sollte, da war ein ganz sonderbarliches Krachen im Holze, auf dem der Mann seine Gestalt aufzeichnete. Das Werkzeug flog ihm in die Hand, und alles ging so nett, so glatt, so geschwind, dass der Mann bald merkte, ein ganz besonderer Hampelmann würde aus seinen Händen geboren werden.

Der aber verzog den Mund und war gar nicht zufrieden.

„Ich bin ja ganz flach“, sagte er verdrießlich.

„Schlau! Hast du denn nicht zwei Seiten, zwei Gesichter, zwei paar Augen, um die Welt zu sehen, ist dir das nicht genug?“

„Und ich habe auch gar kein Herz, nicht einmal Raum für eines!“

„Noch dümmer! Statt dem unnützen Herzen von dem du doch nur Last hättest, bekommst du Bindfaden, der deine Glieder regiert, das ist viel einfacher und sicherer!“

„Bindfaden wäre mir schon recht, wenn nicht andre dran ziehen müssten.”

„Weisst du denn nicht, mein Sohn, dass das Herz auch nur ein Bindfaden ist, an dem andere Leute ziehen?”

Hampelmann machte sehr erstaunte Augen, denn er dachte, die Menschen taten alles, was sie wollten.

„Und hast du nicht eine Maske, mein Sohn?“

„Wozu denn?“

„Um zu verbergen, was du denkst!“

 

* * *

Auszug aus: Monsieur Hampelmann.

Ein Märchen von Carmen Sylva, illustriert von André Lecomte du Nouÿ.

Neuausgabe in der Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva:

www.carmensylva-fwa.de/publ/fscsfwa05.html

 

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„Das größte Glück und das größte Unglück ist, wunschlos zu sein.“

„Cea mai mare fericire si cea mai mare nenorocire este să nu mai ai nicio dorinţă.“

Carmen Sylva. Regina Elisabeta a României (1843-1916)

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Mit der Schriftstellerin Carmen Sylva (d.i. Elisabeth zu Wied, erste Königin von Rumänien, 1843-1916) beschäftige ich mich seit meiner Studienzeit. Meine Magisterarbeit schrieb ich 1996 über ihre „Pelesch-Märchen“ (“Der Zauber des fernen Königreichs. Carmen Sylvas ‘Pelesch-Märchen'”, Universität Marburg, 1996), die Doktorarbeit über das gesamte literarische Werk Die dichtende Königin Carmen Sylva. Selbstmythisierung und prodynastische Öffentlichkeitsarbeit durch Literatur, Univ. Marburg, 2001, digitale Publikation: Universitätsbibliothek Marburg, 2003; Buchausgabe im ibidem-Verlag, 2010).

2012 initiierte ich die Gründung einer Forschungsstelle Carmen Sylva im Fürstlich Wiedischen Archiv, die zusammen mit S.D. Carl Fürst zu Wied und Dr. Hans-Jürgen Krüger (Archivleiter) am 4. August 2012 – zunächst als Projekt zum Gedenken des 100. Todesjahres 2016 – ins Leben gerufen wurde. Die Herausgabe der Schriftenreihe der Forschungsstelle verdanke ich der jahreangen guten Kooperation mit dem ibidem-Verlag (Stuttgart), in dem ich mehrere Bücher über Carmen Sylva und Neuausgaben aus ihrem literarichen Werk veröffentlicht habe. Ebenso freut es mich, als Mitherausgeber der Schriftenreihe drei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates der Forschungsstelle gewonnen zu haben: Dr. Hans-Jürgen Krüger, Dr. Edda Binder-Iijima und Prof. Dr. Ralf Georg Czapla.

Seit 2010 und bis ins Gedenkjahr 2016, zum 100. Todestag von Carmen Sylva, sind über 15 Bücher in Deutsch und Rumänisch zu Carmen Sylva veröffentlicht worden, bei denen ich beigetragen habe (als Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin) und mit denen an die historische Persönlichkeit und Schriftstellerin erinnert wird:

– Bücher
– Herausgeberschaften
– Bücher in rumänischer Sprache
– Beiträge in anderen Publikationen
– Übersetzungen.

Meine aktuellen Buchprojekte, die voraussichtlich 2017 und 2018 fertiggestellt sein werden, sind:

– die zweibändige Briefausgabe des rumänischen Königspaares Elisabeth und Carol I. von Rumänien (ein Buchprojekt der Forschungsstelle Carmen Sylva des Fürstlich Wiedischen Archivs Neuwied in Kooperation mit Arhivele Naţionale ale României, Bucuresti)

– eine Bildbiografie mit Selbstaussagen Carmen Sylvas zu ihrem Leben und dichterschen Werk.

 

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