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Posts Tagged ‘fürstin’

„Es gehört ein ungeheures Maß von Aufopferung zu allen solchen Unternehmungen, die der leidenden Menschheit wirklich helfen sollen. Es war ein sehr guter Verein, von meiner Mutter* ins Leben gerufen, der die Privatkrankenpflege der Armen übernahm und ihnen Essen verschaffte, in verschiedenen Häusern, an verschiedenen Wochentagen.

Wenn ich nach Neuwied zurückkehre, finde ich oft nicht mehr die Damen, die so viele Jahre zu dem Verein gehört haben, aber die Namen der Armen die in Pflege waren, kehren noch lange wieder, wenn schon längst die alten Vereinsmitglieder schlafen gegangen sind.

Die Hilfsbedürftigen bleiben eigentlich immer. Das ist eine Erfahrung, die sich in meinem langen Leben stets wiederholt hat. Wer einmal hilfsbedürftig ist, wird selten ganz selbständig. Denn, wenn er ein selbständiger Mensch wäre, hätte er zum ersten Mal schon keiner Hilfe bedurft, und es geht fast immer so, wie in dem Vereine zu Neuwied: dieselben Menschen werden gepflegt und unterstützt, wenn die Pflegenden auch noch so viel wechseln und lange vor ihren Kranken das Zeitliche gesegnet haben.

Geduldig, jahraus jahrein hat der Verein weiter geholfen und unermüdlich die Kranken unterstützt. Nun sind sie noch die Beschützerinnen der Taubstummen, der Waisen und Blinden geworden, und ein Gebäude reiht sich an das andere in dieser kleinen Stadt, die der Wohltätigkeit gewidmet scheint.“

krankenpflege

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Carmen Sylva – Elisabeth zu Wied, Königin von Rumänien (1843-1916)

* Fürstin Marie zu Wied, Mutter von Königin Elisabeth von Rumänien. Die Fürstin-Mutter unterstützte 1868 die Gründung des „Vaterländischen Frauenvereins Neuwied“ (aus dem der „Neuwieder Ortsverein des Roten Kreuzes“ hervorging, der noch heute aktiv ist).

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Aus: Carmen Sylva: Mein Penatenwinkel (1908)
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carmen-sylva-kindheitserinnerungenSilvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid (Hg.): Heimweh ist Jugendweh. Kindheits- und Jugenderinnerungen der Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva). Mit einem Vorwort I.D. Isabelle Fürstin zu Wied. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva – Fürstlich Wiedisches Archiv, Band 4], Stuttgart: ibidem-Verlag, 2016.

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Elisabeth mit ihrem Bruder Wilhem, 1848 (Gemälde von Carl Sohn)

Elisabeth mit ihrem Bruder Wilhem, 1848 (Gemälde von Carl Sohn)

„Ich wollte [in der Kindheit] immer so gern den Armen helfen und erinnere mich einer großen Lehre, die ich von meinen Eltern in der lieblichsten Form erhielt. Ich sprach immer davon, dass ich den Armen meine Kleider schenken wollte.

Da fand ich eines Tages eine mächtige Rolle prachtvollen Wollenstoffes, grün und blau kariert und so dick und warm! Und jubelnd rief ich aus: ‚Ist das für mich? Nun kann ich alle meine Kleider den Armen schenken!‘

‚Meinst Du nicht‘, sagte meine Mutter, „es wäre besser, Du behieltest die dünnen, weißen Kleidchen für Dich und schenktest den schönen, warmen Stoff den Armen?‘

Ich schielte ein bisschen betrübt hinüber, ich war doch erst fünf Jahre alt und fand den schönen, warmen Stoff so viel begehrlicher als meine weißen Kleidchen, in denen ich im Winter so schrecklich fror! Aber ich besann mich, dass meine Mutter wohl recht haben müsse und war ganz glücklich, als sie mir erlaubte, das Paket selbst in den Armen zu bringen, einer zahlreichen Familie, bei der die Mutter schwindsüchtig und wahrscheinlich sterbend zu Bette lag.

Abends erzählte ich dem treuen Hannchen*, während sie mir die Locken aufwickelte (eine der besonderen Qualen meiner Kindheit), dass wir bei so und so gewesen und ihnen Kleidchen gebracht.

Auf einmal erklang die Stimme meiner Mutter aus dem Nebenzimmer: ‚Findest Du das zart, Menschen bei Namen zu nennen, denen es vielleicht sehr peinlich ist, arm zu sein und die nicht möchten, dass man es wüsste, weil sie hoffen, sich durch Weben und Stricken noch anständig ernähren zu können und nicht unter die Unterstützungsbedürftigen gezählt zu werden?‘

Darüber habe ich ebenso lange und ebenso viel nachgedacht …“

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* Kammerfrau der Fürstin

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Aus: Carmen Sylva: Mein Penatenwinkel (1908)
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Neuausgabe in:

carmen-sylva-kindheitserinnerungenSilvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid (Hg.): Heimweh ist Jugendweh. Kindheits- und Jugenderinnerungen der Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva). Mit einem Vorwort I.D. Isabelle Fürstin zu Wied. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva – Fürstlich Wiedisches Archiv, Band 4], Stuttgart: ibidem-Verlag, 2016.

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MariezuWied„Einige von den jungen studierenden Prinzen hatten den Einfall, im Frühjahr*, in einer schönen Mondnacht, meiner Mutter** ein Ständchen zu bringen auf dem Rheine. Den andern Tag erkundigten sie sich schon ein wenig zaghaft, ob es vernommen worden, sie hatten eine Ahnung, dass es nicht recht passend gewesen.

Meine Mutter machte ein sehr gleichgültiges Gesicht und sagte: ‚Ja, ich glaube es waren einige Betrunkene, die meiner Köchin ein Ständchen brachten!‘

Die Lehre war gut und wurde verstanden. Meine Mutter erlaubte auch den jungen Leuten nicht bei ihr zu erscheinen, wenn sie in ihrem Kreise sich zu Trinkgelagen vereinigt hatten.

Es war damals noch nicht Mode, sich im Salon und in Gegenwart von Damen gehen zu lassen. […] Edle Frauen haben es ganz in der Hand, ihr Haus so zu haben, wie sie es wünschen. In dem unsern herrschte Heiterkeit und Geist und Witz, alle Künste waren willkommen, alle Talente geschätzt, aber sich Gehenlassen war undenkbar.“

* In Bonn im Jahr 1853.

** Fürstin Marie zu Wied, geborene Prinzessin von Nassau, Tochter des Herzogs Wilhelm I. von Nassau und seiner ersten Frau Luise von Sachsen-Hildburghausen, Mutter von Carmen Sylva (Elisabeth zu Wied, erste Königin von Rumänien, 1843-1916)

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Aus: Carmen Sylva: Mein Penatenwinkel (1908)
Abb.: Marie zu Wied, Gemälde von Carl Sohn, Quelle: Wikipedia.

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Neuausgabe in:

carmen-sylva-kindheitserinnerungenSilvia Irina Zimmermann und Bernd Willscheid (Hg.): Heimweh ist Jugendweh. Kindheits- und Jugenderinnerungen der Elisabeth zu Wied (Carmen Sylva). Mit einem Vorwort I.D. Isabelle Fürstin zu Wied. [Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva – Fürstlich Wiedisches Archiv, Band 4], Stuttgart: ibidem-Verlag, 2016.

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elisabeth-1870

Elisabeta de Wied, Doamna României, în anul 1870.
Fotografie imprimată în: L. Carandino-Platamona, Carmen Sylva, 1936.

Elisabeth zu Wied, Fürstin von Rumänien im Jahr 1870.
Foto aus: L. Carandino-Platamona, Carmen Sylva, 1936.

 

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Despre scriitoarea Carmen Sylva:

cspoeta reginapoeta-all-2012

Silvia Irina Zimmermann: Regina poetă Carmen Sylva. Literatura în serviciul Coroanei, cu o prefaţă de A.S.R. Principele Radu al României, traducere din germană de Monica Livia Grigore, cu numeroase fotografii din Arhiva Princiară de Wied din Neuwied, Editura All, Bucureşti, 2013, ISBN 978-606-587-066-6.

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